Gefangen in der Gesellschaft - Alltagsrassismus in Deutschland

 

Aus einem Artikel von Norbert Copray, Publik-Forum 7/2016 vom 15.04.2016, Seite 54, zum Anlass "Sachbuch des Monats":

 

"Die Psychologin und Therapeutin Dileta Fernandes Sequeira vereint in ihrem Buch Beschreibungen, empirische Feldforschung, Analysen und Perspektiven zum und gegen den »Alltagsrassismus in Deutschland«. Das Werk bietet ein umfassendes bio-psycho-soziales Verständnis von Rassismus, den die Autorin »als blinden Fleck in der Gesellschaft« versteht. Darüber hinaus bietet das Werk Einblicke in politische, historische und soziale Zusammenhänge und stellt praktische antirassistische Lösungsansätze »für eine neue Menschwerdung« und das Leben »im Feld von Rassismus« vor.
Im Zentrum stehen Tiefeninterviews von 26 Personen, die Erfahrungen mit Rassismus in Deutschland gemacht haben. Die Aussagen werden nicht einfach wiedergegeben, sondern sind in Kontext der Klärung und des Verstehens eingebunden. Das macht die Studie gleichermaßen zum Lehrbuch, zum Nachschlagewerk und zur Orientierungshilfe.
Eine derartige Psychologie ist automatisch politisch. Denn sie studiert die psychischen
Nachwirkungen von Rassismus in der Gesellschaft - seien sie in Strukturen oder in menschlichen Beziehungen und Begegnungen bemerkbar - und schult auf dieser Basis ein verändertes Denken und Handeln. So wird die Gesellschaft angespornt, sich kritisch zu betrachten. Diese Sensibilität ist in Bildungs-, Trainings-, Medien- und Handlungsprozesse hineinzutragen für eine antirassistische Kompetenz. Denn "alle weißen und schwarzen Gefangenen müssen das Gefangensein, die unsichtbaren Mauern von Rassismus im Alltag erkennen und identifizieren«. Es braucht Empathie, Mut und Respekt vor der Menschenwürde, um sich und andere zu befreien. Wer sich für soziale Prozesse interessiert, greife zu diesem Buch."

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